ein paar tips zu mosambik
28.2.2005

ALLGEMEIN visa gibt es an den grenzuebergaengen fuer 25 dollar, plus 30.000 meticais (ca. 1,25 euro) gebuehr fuer den obligatorischen einreisestempel. das geld ist ziemlich abgegrabbelt, 1 euro sind rund 25.000 meticais, es ist eine nervige umrechnerei. TRANSPORT in der suedhaelfte mosambiks zwischen malawi und suedafrika/swasiland ist es kein problem vorwaerts zu kommen. man muss leider nur frueh aufstehen, die busse fahren zwischen 4 und 5 h frueh ab. preise: tete - chimoio 150.000 mt (5 h), chimoio - vilanculo 250.000 mt (6 1/2 h, im kleinbus, etwas groesser und komfortabler als ein minibus), vilanculo - maxixe/inhambane 100.000 mt (4 h), inhambane - maputo 180.000 (8 h im schrottreifen bus von oliveiras). UEBERNACHTEN tete: hotel sambeze, billigstes DZ mit bad fuer 350.000 mt, schmuddelig, gibt nicht allzu viele moeglichkeiten, weil hier wenig touristen durchkommen. - chimoio: residencial flor de vouga, schoene zimmer, direkt auf der hauptstrasse (avenida 25 setembro), DZ ohne bad mit balkon 400.000 mt. etwas ausserhalb gibt es einen backpacker namens pink papaya. - vilanculo: eine huette ohne bad gibt es im baobab fuer 400.000 mt oder nebenan im neuen julian's place fuer 200.000 mt, ohne dass sich die huetten in ihrer qualitaet unterscheiden. zombie cucumber bietet gar huetten ohne bad fuer 500.000 mt (ca. 20 euro) an und liegt nicht am strand. keine ahnung, warum man da absteigen soll. der bazaruto-archipel ist richtig teuer, billigste unterkunft ist 15 dollar pro nase. nur fuer tauchfreaks lohnend. tofo: keine frage, bamboozi ist der beste backpacker in ganz mosambik. der hammer. tolles essen an den meisten tagen, bar mit sensationellem ausblick, sehr freundliche leute, die den laden schmeissen. huetten ohne bad kosten 300.000 mt, chalets mit bad und kueche und wirklich schoener einrichtung 900.000 mt, bett im dormitory 180.000 mt. - maputo: wer nach salz und sand am strand genug von backpackern hat, sollte es mal im hotel ibis maputo probieren. jawohl, diese internationale hotelkette. die bieten DZ mit bad und klimaanlage fuer 49 dollar an. das ist umgerechnet genauso teuer, wie in den beiden backpackern fatima und base ein doppelzimmer ohne bad (dafuer mit kakerlaken, hoerten wir). ausserdem hat man im ibis aus dem 10., 11. oder 12. stock einen tollen ausblick ueber maputo. STRAND fuer uns war tofo bay der schoenste strand unserer ostafrika-route ueberhaupt. brandung und hohe duenen, dahinter palmen, und vor allem ganz leer! klassen besser als vilanculo. SCHNORCHELN/TAUCHEN tofo hat jede menge tauchreviere und vor allem: walhaie vor dem strand von tofinho. wahrscheinlichkeit, sie auf einer vormittagstour zu sichten, ist 95 prozent. und diese groessten fische der welt sind unglaublich. die ocean safari kostet 230 rand pro person (ca. 30 euro), kann beim bamboozi gebucht werden und ist das geld wert (mal abgesehen davon, dass sie billiger ist als whale-watching-touren in anderen laendern).

 

Highway to Hell
Maputo, 27.2.2005

Zwanzig Minuten warten wir auf ein Taxi. Was dann aber kommt, ist eher ein Krankentransport, der Fahrer der Patient mit riesiger Kopfwunde. Gleich einem Irokesenschnitt hat er ein maechtiges gepolstertes Pflaster auf seinem Schaedel und kommt auf uns zugeschwankt, als waere er total betrunken. Wir haben keine andere Wahl und steigen in sein Taxi, denn durch diese Gegend Maputos rund um unser Hotel geht man nachts um halb zwoelf besser nicht zu Fuss, ausser man ist lebensmuede. Bereits auf den ersten zehn Metern uebersieht der narkotisierte Fahrer beim Abbiegen einen heranrasenden Mercedes, der es gerade noch schafft, mit quitschenden Reifen kurz vor uns zum Stehen zu kommen. Glueck gehabt. Doch Fahrer und Wagen haben einen gehoerigen Linksdrall, so dass wir immer um Haaresbreite an parkenden Autos vorbeischrammen. Vom Ruecksitz bruellen wir auf den Untoten ein. ûDonâÄ™t worry" lallt es von vorne. An der Kreuzung vor der Africa Bar rammt er noch beinahe einen fahrenden Polizeiwagen. Mit schlotternden Knien wie nach einer Achterbahnfahrt steigen wir aus. Diese kurze Strecke, wie von uns bis zur Reeperbahn hat uns bis jetzt die meisten Nerven gekostet. Sieben Minuten blanke Angst! nach Diktat verreist -dwo

 

24 stunden mit einer diva
maputo, 27.2.2005

maputo ist eine alternde diva, die nie ein star war. die das zeug zu etwas grossem hatte, sich aber auf schlechte gesellschaft einliess. heute sind die breiten alleen mit ihrem mediterranen flair heruntergekommen, kolonialgebaeude und vom bauhaus inspierierte wohnbloecke vom monsun angefressen. senhora maputo sieht am abend im funzligen, gelben schein sozialistischer laternen verlassen und traurig aus. obwohl wochenende ist, laufen nur wenige menschen durch die strassen. ueberall tuermt sich muell auf, und auch die paar neuen bankentuerme mit ihren neonschriftzuegen koennen nicht ueber die melancholie hinwegtaeuschen. dabei hat die diva durchaus noch charme. aber er entpuppt sich spaetestens dann als schal, als roger und ich - roger und sabrina sind zwei schweizer, die wir in tofo getroffen haben - noch auf ein bier in eine laute bar stolpern, sozusagen hinter den maputo landungsbruecken. wir sitzen noch keine zehn minuten am tresen, als ploetzlich ein geschminktes gesicht rechts neben mir auftaucht und eine hand meinen ruecken krault. "do you like me?" fragt die frau, die hoechstens 20 sein kann und zwei freundinnen im schlepptau hat. die sind ganz offensichtlich auf fischzug, hier unten am hafen in der rua de bagamoyo. da trinken wir unser bier auf und fluechten. die brut von jungspunden, mit der sich die diva maputo dieser tage umgibt, lernen wir am naechsten morgen kennen. genau genommen sabrina und roger. hautnah. als woldo und ich vom fruehstueck aus dem cafe continental zurueck kommen, tritt ein nicht gerade heiterer roger aus dem hotelfahrstuhl. "wir sind gerade ueberfallen worden", sagt er. gleich um die ecke. wie? an einem samstag morgen in der belebten innenstadt? eine gruppe von fuenf, sechs jungen typen nahm roger und sabrina von hinten blitzartig in den wuergegriff. roger verlor das bewusstsein, waehrend sabrina noch versuchte "ajudo" (hilfe) zu rufen und dafuer einen fausthieb ins gesicht bekam. dann filzten die raeuber den rucksack der beiden und nahmen das bargeld aus dem portemonnaie, das sie gnaedigerweise auf den buergersteig warfen. und waehrend roger wieder zu sich kam und sabrinas nase wie der teufel blutete, bildete sich ein auflauf von passanten um die beiden. sie alle hatten die szene verfolgt, ohne einzugreifen. einige strassenverkaeufer boten der blutueberstroemten sabrina sonnenbrillen und anderes unnuetze zeug an, andere riefen haemisch "welcome to mozambique". die beiden maenner an der hotelrezeption zeigten nicht den hauch von mitgefuehl, als die beiden geschockt ins hotel wankten. was sagen sie dazu, senhora maputo? sind ihre genossen allesamt auf den hund gekommen? am abend gehen woldo und ich in die africa bar, waehrend sabrina und roger ihren schock wegschlafen. aber auch die band dort entpuppt sich als farce, als erinnerung an eine grosse vergangenheit, die es nie gegeben hat. garrido jr., der saenger, ist eine mischung aus barry white und mediterranem intellektuellen. ganz in schwarz gekleidet, mit grossen gesten. die musik ist ein kraftloses gemisch aus soulcoverversionen und brasilianischem pop, zu schmalzig, zu wenig jazz im blut. nach dem ersten set verlassen wir die seltsame szene. regen hat senhora maputo derweil durchnaesst, aber sauberer ist sie dadurch nicht geworden. dieser schmuddeligen moechtegern-diva ist nicht zu helfen. welch trauriger endpunkt unseres ostafrika-pfades. -nbo

 

Das grosse Grinsen
Tofo, 24.2.2005

Ich lasse mich rueckwaerts vom Schlauchboot ins Wasser fallen und schaue in das breiteste Grinsen der Welt, anderthalb Meter von einem Knopfauge zum anderen. Ich traue meinen Augen nicht, auf Armlaenge vor mir schiebt sich ein Walhai, der groesste Fisch des Planeten majestetisch durch das Wasser. Zahnlos wie ein alter Opi macht mir dieses sieben Meter lange Exemplar nicht die geringste Angst. Im Gegenteil, seine Ruhe und Friedfertigkeit springt auf mich ueber und wir grinsen um die Wette. Dieses tonnenschwere Supermodell meint es heute besonders gut mit uns, er wirft sich in Pose und zeigt sich von seinen besten Seiten. Richtig eitel, dieses Kerlchen. Und er macht sich einen Spass daraus, eine halbe Stunde lang mit uns Schnorchlern zu spielen. Fuer einen Fisch doch eher ungewoehnlich. Mein weisses T-Shirt gefaellt ihm offensichtlich besonders gut, denn als ich etwas von der Schorchlermeute zurueckbleibe, um ihn mir in voller Laenge anzusehen, macht er eine behaebige Wende und kommt direkt auf mich zu. ûBloss nicht anfassen!" hat man uns vorher noch gesagt, aber wie soll ich das denn machen, dieser Koloss schwimmt ja geradezu auf mich drauf, ausweichen zwecklos. Ich schwmme ein Stueckchen auf Augenhoehe neben ihm her, fast kommt es mir vor, als wuerden wir uns angucken und uns was erzaehlen. Dann habe ich genug, schoener kanns nicht mehr werden und klettere wieder ins Boot zurueck, die anderen turnen weiter im Wasser herum. Und dann kommt dieser Riesenfisch doch tatsaechlich hinter mir her und hebt seinen Kopf aus dem Wasser, als wolle er mir sagen, dass ich doch wieder reinkommen soll um weiterzuspielen, Wahnsinn. Nach einer Weile sind dann auch die Unermuedlichen, darunter ein Apnoetaucher aus Suedafrika, der 4 Meter unter Wasser tollkuehne Kunststueckchen vor dem Hai vollbracht hat, gluecklich und erschoepft wieder an Bord. Und wieder kommt der kolossale Kopf aus dem Wasser, genau neben mir. Er will uns tschuess sagen, der Fisch. Ich winke ihm mit meinem gruenen Kopftuechlein zu, bin sprachlos und habe eine Gaensehaut. Was fuer ein Erlebnis! nach Diktat verreist âÄ“dwo

 

entspannte tage in BambooziWorld
tofo, 23.2.2005

die brandung kracht rechts von mir an den strand, dumpfe beats treiben links von mir aus der bamboozi-bar, oben ueber den duenen, heran. ein tropisches ennui liegt ueber diesem ort, an dem europas travellergeneration eine auszeit nimmt. tagsueber tauchen, abends trinken, rauchen, geschichten erzaehlen, grooven (ja, unsere ska-CD mit "I want justice" ist hier ein grosser renner geworden). amerikaner gibt es hier nicht mehr. seit 9/11 bleiben sie offenbar zuhause, sehen sich nicht mehr um, waehrend die europaeer unverdrossen ausschwaermen. abends sitzen wir am strandfeuer, englaender, deutsche, schweizer, franzosen, belgier, spanier, und es ist kaum zu glauben, dass sich unsere grosseltern vor 60 jahren noch kugeln und granaten um die koepfe jagten. wir seien die erste kindergartengeneration, sagt bo, der schwede mit der trendglatze, der schon 47 ist. der kindergarten habe uns dazu konditioniert, die gruppe zu suchen, um das ewige spielen fortzusetzen. am strand von koh phangan, goa, mykonos oder eben hier in tofo. die tage gehen dahin in dieser spielwelt, die nichts mehr zu sein vorgibt ausser dem reinen spass. die einheimischen sind in den kuechen verschwunden, in den palmengaerten der ressorts und backpacker. sie nehmen nicht mehr teil wie noch in ostafrika. suedafrika ist nahe, man fuehlt den wechsel, das erbe der apartheid sickert ueber die grenze und trennt weisse spassvoegel und schwarze bauern. niemand nimmt notiz davon, weil es allen so gut geht. wer liest, schmoekert airport novels wie den zur zeit unvermeidlichen "da vinci code". es gibt nichts mehr, mit dem ich noch ringen und hadern muesste. afrika ist zuende, hier in BambooziWorld, und ich bin nicht einmal traurig darueber. -nbo

 

vaffanculo vilanculo
tofo, 17.2.2005

es ist bruellheiss, als wir nach drei tagen endlich das meer erreichen. vilanculo. das klang so verheissungsvoll. aber es ist nicht schoen dort. der strand zu schmal, die wenigen backpacker absurd teuer, die ebbe zu heftig - man kann hunderte meter rauslaufen, fast bis zum riff, ausgerechnet nachmittags -, und die doerfler fangen schon wieder an zu bescheissen. sind wir nicht gestern abend in chimoio noch von ricardo zu einem bier eingeladen worden? vilanculo ist bereits im tourismus angekommen, wenn auch noch nicht so heftig wie sansibar. aber es ist verloren. also weiter. und so sitzen wir heute morgen wieder im bus, halb fliehend, halb weiterziehend. in maxixe steigen wir auf eine faehre um, die uns ueber den meeresarm hinueber nach inhambane bringt. und als wir dort nach einer bank suchen, fragt uns ploetzlich ein mosambikaner: "bamboozi?" klick. "bist du von der bamboozi-lodge in tofo?" das ist der backpacker am tofo beach, 20 kilometer entfernt, zu dem wir wollen. dann taucht noch ein rothaariger, baertiger suedafrikaner auf, der gerade ein paar zutaten fuer die kueche kauft. wir klettern auf den pickup, nicht ohne noch eine stange grande-turismo-zigaretten gekauft zu haben. als wir eine halbe stunde spaeter auf der barterasse des bamboozi stehen, haut's uns lang hin. this is The Beach - jedenfalls fuers oestliche afrika. eine weite bucht mit breitem strand und maechtiger brandung, eingefasst von hohen duenen und palmenhainen. die bar ist knallvoll, es herrscht eine stimmung wie sonntags im sommer an der elbe, schnell ein bier, und mucki, der liebenswerte koelner hinter dem tresen, lacht uns an, als waeren wir alte bekannte. nach ein paar stunden kennen wir die haelfte aller traveller, im hintergrund laeuft bester hiphop, das essen, mosambikanisches krabencurry, ist phantastisch, ein paar leute taenzeln vor der bar auf und ab. redet da noch einer von sansibar? -nbo

 

veilchen ohne schlaegerei
vilanculo, 16.2.2005

als ich vor einigen tagen aufwache, habe ich diesen seltsamen schmerz unter dem linken auge. wenn ich's nicht besser wuesste, wuerde ich glauben, mir haette jemand am vorabend eins aufs jochbein gegeben. aber da ist nichts zu sehen - noch nicht. als ich am naechsten morgen aufwache, hat sich mein linker traenensack maechtig aufgepumpt. eine rote schleifspur zieht sich darueber. kann das... diese bloede chilischote gewesen sein? klein, gruen und so hoellenscharf, dass ich schluckauf bekam, hatte ich sie mir ueber meinem reis zerkruemelt. den anschliessenden schwitzanfall im gesicht kurz mit der hand weggewischt. kann chili solche folgen haben? als ich am folgenden morgen aufwache, ist die antwort: und wie! aus dem aufgepumpten traenensack ist eine einzige brandblase, ja ein stattliches veilchen geworden, und ueber das linke auge hat sich von nasenwurzel kommend eine hautfalte gelegt. im spiegel starrt mich ein "elefantenauge" (o-ton woldo) an, himmel, was geht hier vor? kleine eiterpusteln leuchten jetzt auf der traenensackblase. mein sichtfeld auf dem linken auge ist halbiert, und bei jeder grimasse spannt die haut. als ich am naechsten morgen aufwache, kann woldo das elend nicht mehr mit ansehen und organisiert einen eisbeutel. den halte ich mir aufs auge, waehrend wir zur grenze fahren, und woldo erklaert irritierten malawierinnen im bus, das sie mich nicht geschlagen habe. nach einer stunde ist zumindest das elefantenauge verschwunden. zurueck bleibt ein riesiger roter schorfring, der mir prompt scherereien macht (s. "planet mozambique"). heute, fuenf tage spaeter, ist mein auge das chiliveilchen endlich losgeworden, und woldo freut sich ueber die rosarote "kleine haut", mit der sich mein traenensack verjuengt hat. -nbo

 

planet mozambique
vilanculo, 16.2.2005

das meer, das meer, die weite des ozeans. da wollen wir hin, nach vilanculo, es soll grossartig dort sein, und dafuer ertragen wir wieder einmal stundenlange busfahrten durch endlose savannen. schleichen morgens um vier durch die kuehle der nacht, um einen sitzplatz in ausgebuchten bussen zu ergattern, die wie in aethiopien mitten in der nacht losfahren. schwitzen schon bald nach sonnenaufgang und schuetteln uns beim naechsten schlagloch. kilometer um kilometer durch gruene waende aus baeumen und straeuchern, keine orte weit und breit, davon gibt es in mosambik offenbar nicht viele. "waehlt gegen die moerder von der renamo", schreit ein politgrafitti, als wir schliesslich doch eine stadt erreichen, chimoio. breite alleen, ein riesiger rechteckiger platz, ein kreisel mit einem betonmonument in form eines fuenfzackigen sterns, es riecht foermlich nach sozialismus, ja nach kuba. so mediterran-romanisch nach tausenden kilometern durch ex-empire-kolonien. auf den daechern prangen riesige alte neonreklamen fuer bier und batterien, wie man es aus lissabon oder madrid kennt. in den cafes gibt es delta-kaffee und gezapftes bier. die kellner tragen fliegen, die hotelmenschen sind wie aus dem ei gepellt. in der pensao flor de vouga bekommen wir kein zimmer, weil ich mit chiliveilchen ums auge und dem schwarzen piratentuch zu wuest fuer diese romanische eleganz sein muss. in der residencial flor de vouga ein paar meter weiter mustert mich die alte portugiesin unbehaglich von oben bis unten und laesst mich erst nach kurzem zoegern ein zimmer begutachten. dann treffen wir ein weiteres sozialismusrelikt am billardtisch einer kneipe. pedro dove spricht mich auf deutsch an, weil keiner ein wort versteht, als ich auf portugiesisch zwei tosta mista zu bestellen versuche. 1988 war pedro fuer drei monate in dresden, im bruderstaat DDR. damals als frelimo und renamo noch jenen buergerkrieg fuehrten, der die stolpernden minenopfer in den strassen von heute hervorgebracht hat. drei monate hat er sich im wesentlichen von bier ernaehrt, und es sei sehr kalt gewesen. theatralisch beschreibt er, wie viel kleidungsstuecke er sich damals anzog. in drei jahren ist seine tochter volljaehrig. "dann kann ich mich entspannt zuruecklehnen, dann muss sie sie selbst das leben meistern." jetzt muss er noch gute geschaefte mit billardtischen und queues machen. ein 24-jaehriger barbesitzer in tete bezahle in jedes mal cash in dollar, der habe so viel geld, es sei unglaublich. das neue mosambik. auch der fahrer unseres naechsten busses, zu dem pedro uns bringt, ist in der DDR gewesen. "leipzig" sagt er grinsend. da muss ihm preussische puenktlichkeit in die knochen gefahren sein. als morgens um vier noch nicht alle passagiere im bus sitzen, einige noch gemaechlich ihre koffer ueber den buergersteig ziehen, regt er sich hoellisch auf. "bleibt zuhause", flucht er, "ich habe doch nicht umsonst ins fenster geschrieben, dass dieser bus um vier abfaehrt. um vier!" von wegen this is africa. here is planet mozambique. hier ist alles anders als in ostafrika. zum ersten mal seit aethiopien werden wir auch wieder von einem einheimischen zu einem bier eingeladen, nach all den drinks, die wir unseren "schatten" in tansania spendiert haben. ricardo julio langa, geologe und bei der staatlichen wohnungsbaugesellschaft beschaeftigt, kennt sich ueberraschend gut mit deutschem fussball aus. rummenigge, andi moeller, littbarski, da kann beckham glatt einpacken. das liegt daran, dass er seine fussballleidenschaft bei der WM 82 in spanien entdeckte. im finale 2002 gegen brasilien sei er auch fuer die deutschen gewesen. dann waeren beide laender mit je vier titeln gleichauf, sagt er. wow. dann kommt eine weitere runde, obwohl uns das bier schon zu den ohren rauskommt. ricardo ist zufrieden mit dem fortschritt in mosambik. es herrsche frieden und es gehe langsam bergauf. obwohl europa natuerlich noch viel, viel besser zum leben sei. na prost, dann faehrt er mit seinem kumpel in einem pickup der wohnungsbaugesellschaft davon. uns schwirrt der kopf, in sechs stunden muessen wir schon wieder aufstehen, mit dem bus durch gruene waende rasen, denn wir wollen ja ans meer... -nbo

 

galao in tete
14.2.2005

ein heisses und trostloses nest sei tete, eine provinzhauptstadt in mosambik, steht im lonely planet, dem hitchhikers guide to planet earth. aber er irrt sich: der ort ist gar nicht trostlos. im gegenteil, ein hauch von schulterblatt weht durch die hauptgeschaeftsstrasse: eine aehnlich verramschte auslage in den schaufenstern und im cafe gibt es galao, portugiesische toertchen und schinken-kaese-toast (fuer die nichthamburger: das schulterblatt ist die hauptstrasse des schanzenviertels mit diversen portugiesen). hamburg kommt naeher. ja, und ostafrika liegt hinter uns, denn hier in dieser ersten mosambikanischen stadt hinter der malawischen grenze fuehlt sich alles anders an. die frauen sind schicker, die autos dicker, die strassen breiter und gefegter, die maenner gepflegter. das bier kommt in 550-ml-flaschen. in der mitte des ortes spannt sich eine riesenbruecke ueber den sambesi, die letzte bruecke bis zur muendung am indischen ozean. englisch ist ebenfalls passe, hier schnattern alle in portugiesisch und wir muessen erst mal im kopf kramen, was wir an spanischen woertern und portugiesischen fetzen noch drauf haben. das einzige, was uns nicht ganz so begeistert, sind die busse: die fahren naemlich wie in aethiopien wieder "de noite", nachts zwischen 4 und 5 uhr ab. muito frueh und ohne galao. morgen quaelen wir uns dann also aus dem bett richtung kueste. ate mais tarde.

 

 

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