im mentalen landeanflug
cintsa, 9.3.2005

ganz langsam kommen wir von unserem trip runter. fahren seit einigen tagen mit einem mietwagen durch die lande, was fuer ein luxus nach minibussen, trucks und ueberfuellten faehren. durch die wilde schroffe transkei sind wir nun an der wild coast in cintsa angekommen. trinken morgens unseren kaffee mit blick auf die wueste brandung vor der steilen kueste, stehen abends in der bar des buccaneer backpacker, eines regelrechten travellerdorfes (absolut empfehlenswert), und diskutieren ueber die kommende welle der rauchverbote in europa. afrika entschwindet, nur manchmal kommt es hoch, wie neulich abends in coffee bay. der dunkle beat... aber das koennt ihr unten lesen, ausserdem ein paar notizen zum dach afrikas, zum moloch jo'burg, und im mosambik-abschnitt gibt es jetzt endlich "was ist reisen? #3" zu lesen, ueber den unterschied zwischen travellern und touristen. die laendertips und die ostafrika-schnipsel sind leider immer noch leer, weil internetzeit in suedafrika schwieriger als erwartet zu ergattern ist.

 

dunkler beat
coffee bay, 7.3.2005

die sechs maedchen der xhosa-tanzgruppe haben gerade ihre routinierte vorstellung im bomvu backpacker beendet und das geld eingesammelt, als zwei jungs vor der kueche zu trommeln beginnen. einfach so. mit ernsten gesichtern schlagen sie einen schnellen, harten beat, laecheln nicht, schauen nicht nach rechts oder links. und waehrend wir afrikatraveller uns einmal mehr auskunft ueber unseren mentalen belagerungszustand geben, dringen die trommelschlaege langsam in mein bewusstsein. das gespraech verschwimmt zu einem gemurmel hinter dem rhythmus, meine gedanken wirbeln durcheinander, schwingen mit jedem schlag wie von einer membran angestossen auf und ab, bis ich eine art resonanz fuehle. "this is africa", toenen die trommeln, und es klingt ploetzlich ganz anders als diese idiotische generalentschuldigung, die uns seit monaten begleitet. es ist zum ersten mal ein statement, und dann setzt ein film ein: ein scheissleben ohne moeglichkeiten, durch das euphorische und verstaendnislose touristen stolpern, die an einem tag ganze monatsgehaelter auf den kopf hauen, aber trotzdem knauserig sind, in dem der fluch von kolonialismus und apartheid wie eine schwere graue wolkendecke auf die stimmung drueckt, in dem die moderne nur im fernsehen existiert, der tsunami der normalfall, das alltaegliche wetter ist, AIDS eine dumpfe plage, ueber die man nicht sprechen kann - oder ist es gar eine verschwoerung -, und in dem ein gutes leben ein ziel ist, zu dem vom gottverlassenen coffee bay an der wild coast kein weg fuehrt... hypnotisiert versinke ich im beat der dunklen trommeln, fuehle mich am falschen ort zur falschen zeit, nichts begreifend, so sehr ich mich anstrenge, unbehaglich und ultimativ hilflos im angesicht dieser beiden ernsten jungen, die sich mit dem jackenzipfel den schweiss von der stirn wischen, die immer noch nicht laecheln, aber ihre sicht der dinge subjektiv und kompromisslos aufs fell hauen. dann ploetzlich hoeren sie auf zu trommeln, der film reisst, der flash endet abrupt. now, this was africa! denke ich matt und bin ratloser als je zuvor. -nbo

 

auf dem dach afrikas
sani pass, 6.3.2005

tibet ist das "dach der welt", hoeren wir von kindesbeinen an. aber auch afrika hat ein dach, das kaum jemand kennt: lesotho. einer festung gleich erhebt es sich auf einer hochebene ueber suedafrika, abgeschirmt im sueden von den dreitausendern der drakensberge, ueber deren gipfeln moerderische gewitter toben. ueber die alte haendlerstrasse durch haarnadelkurven hinauf zum sani-pass erreichen wir nach anderthalb stunden im keuchenden landrover diese seltsame, entrueckte welt, die tolkien die erste inspiration zum "herrn der ringe" gegeben haben soll. als wir im baumlosen hochland mit seinen gelben blumenwiesen und steinhuetten ankommen, ist suedafrika ploetzlich so weit weg wie europa. viehhirten stapfen, in wolldecken gehuellt, mit federnden schritten in gummistiefeln durch die weite gruene tundralandschaft. und waehrend wir kurzatmig und unglaeubig ueber diese atemberaubende bergwelt in unsere sandwiches beissen, liegen fuenf junge basotho baeuchlings vor uns im gras und amuesieren sich ueber uns seltsame zeitgenossen. hier oben in lesotho gelten noch andere gesetze, hat die moderne kaum den alltag angekratzt. in den steinhuetten haben die frauen das sagen: selbst der ehemann darf die huette nur betreten, wenn ihm seine frau einlass gewaehrt, hoeren wir. "gogo?" muss der mann fragen und auf das "ngena" der frau warten. wenn sie ein neues kind geboren hat, darf der mann fuer einen monat die huette nicht betreten. in dieser zeit muss er in den steinernen hirtenunterstaenden an den berghaengen zuflucht suchen. wer eine basothohuette betritt, setzt sich sofort ungefragt auf den boden und wartet, bis ihm eine hand zur begruessung entgegengestreckt wird. die ergreift er dann, ohne aufzuschauen oder sich gar zu erheben, denn beides wuerde bedeuten, dass der besucher unredliches im schilde fuehrt. vor den runden steinhuetten sind kleine flaggen aufsteckt: weisse, wo sorghumbier verkauft wird, rote fuer fleisch, gelbe fuer mehl. anbauen laesst sich auf dem dach afrikas allerdings nichts, hier in rund 3000 metern hoehe gedeihen nicht einmal kartoffeln oder rueben im nur 30 zentimeter tiefen tundraboden. der winter ist brutal und treibt die basotho in ihr flachland, das "nur" 1500 bis 2000 meter hoch liegt. als wir von unserem aussichtspunkt zurueck zum jeep laufen, sehen wir ploetzlich zwei fast nackte gestalten auf den felsen auftauchen. sie rufen und lachen und stuermen dann hinter uns her. ausser gummistiefeln und badehose tragen die beiden jungs nichts, waehrend wir uns im kuehlen wind des hochlandes uns schon unsere fleece-jacken bis unters kinn zugezogen haben. als wir ihnen ihr bild im display der digitalkamera zeigen, lachen sie laut los. und ich frage mich in diesem augenblick, ob sie ueber sich selbst lachen oder ueber uns ulkige touristen, die sie fuer so wichtig halten, dass sie ein foto von ihnen hinunter in die erste welt nehmen wollen. -nbo

 

Wollemer neilasse?
Durban, 3.3.2005

Zwei Minuten vor Toreschluss erreichen wir den Bahnhof in Jo'-burg, weil der Taxifahrer sich mit uns im Feierabendstau verfranst hatte. Mit geschulterten Rucksaecken galoppieren wir durch die Bahnhofshalle und suchen mit gehetzten Blicken den Nachtzug nach Durban. Da! Halt noch nicht zumachen, wir kommen! Die Tore werden tatsaechlich geschlossen, puenktlich zehn Minuten vor der Abfahrt, wie es auf dem Ticket stand. Nix mehr mit afrikanischer Gelassenheit. Auf den letzten Druecker schluepfen wir noch durch und lassen uns erschoepft, mit Schweissperlen gross wie Pingpongbaelle auf die Sitze in unserem Abteil fallen. Gerade erst abgefahren, gehts auch schon los. Es rasselt an der Tuer, sie wird aufgeschoben und ein freundlicher Zugbegleiter bietet uns Kaffee an. So geht es dann die naechste halbe Stunde, mal ist es die Bettwaesche, mal das Klopapier samt Zahnputzbecher, Abendessen. Entwoehnt von soviel Zuwendung im oeffentlichen Leben fuehlen wir uns geradezu muetterlich umsorgt. Die Kroenung ist dann der Auftritt des letzten Diensteifrigen: "Hello, my name is Prince. If you need anything just call me. And no, you are not allowed to smoke in here, but you can. Me, I know nothing." Na, darauf erstmal eine rauchen. Zur Nachtruhe gebettet faengt unser Abteilnachbar, der sich die Fahrt mit einer Flasche Whiskey geteilt hatte, erstmal an zu randalieren, als wolle er den ganzen Laden kurz und klein hauen. Nachdem er seinen fluesigen Mageninhalt bei voller Fahrt aus dem offenen Zugfenster geworfen hat schlaeft er endlich ein. So, und jetzt ist Ruhe! Noch einen Mucks und ich hol den Prince, Du! Mit vierstuendiger Verspaetung kommen wir am naechsten Mittag in Durban an, unsere Zugbegleiterschar ist untroestlich und entschuldigt sich etliche Male bei uns. Schon gut, keine Ursache. Seit wann kommt's denn hier auf Puenktlichkeit an, wir sind doch schliesslich in Afrika. Oder etwa nicht mehr? nach Diktat verreist -dwo

 

das neue afrika
johannesburg, 2.3.2005

johannesburg ist die hauptstadt der paranoiden dieser welt. gewalt und unsicherheit begleiten alle mit hellerer hautfarbe auf schritt und tritt. jeder weiss eine horrorgeschichte zu erzaehlen. um so erstaunter sind wir, als uns johannes newtown, den stadtteil suedlich der park station, zeigt. kneipen und fabrikgebaeude, in den konzerte und raves stattfinden, reihen sich da aneinander, und ich fuehle mich sofort ins berlin-mitte der fruehen neunziger zurueckversetzt. damals im e-werk oder im tresor. jo'burg hat dieselbe toughe oberflaeche, unter der das leben brodelt und die so viele verstoert, wie berlin. noch verblueffter sind wir, als wir in melville ankommen, einem der besseren stadtteile im westen. kalifornisches lebensgefuehl pur: ueppige vorstadtgaerten, breite wohnstrassen, cafes und bars, buchlaeden, nichts, was mit den bildern der verbrechensmetropole zusammenpasst. selbst die zaeune und gartentore sehen im vergleich zu nairobis westlands festungsmauern bescheiden aus. abends fahren wir in ein neues einkaufszentrum, das in jo'burgs stadtteilen intakte ortskerne simuliert. trinken ein bier im moyo's, einer afrikanisch gestylten restaurantbar, in der gutbetuchte - schwarz und weiss - ihr "bedrohtes" leben geniessen. die schwarzen hier wirken ganz anders als in ostafrika, viel individualisierter, hipper, keine spur von dem provinzlertum oder der underdog-klischee, das bisher vorherrschte. dass die apartheid erst vor elf jahren offiziell abgeschafft wurde, kann ich kaum glauben. erst im apartheid-museum am naechsten tag bekommt dieses duestere kapitel juengster geschichte ein gesicht. bilder von pruegelnden polizisten in faschistoiden uniformen, von burenfrauen am voortrekker-denkmal mit seltsam altmodischen haeubchen, von zusammengeschossenen demonstrationen, dazu ganz reale einzelzellen, galgen und polizei-panzerwagen, all das ist hier fuer den unglaeubigen besucher aus der ferne in einem beeindruckenden bau zusammengetragen. der kreis schliesst sich: mit auschwitz fing unsere reise an, mit dem apartheid-museum naehert sie sich dem ende. doch waehrend auschwitz, ruine, die es ist, schon einer fernen vergangenheit angehoert, hat die apartheid noch bestand gehabt, als das internet schon erfunden war, als beatles und apollo-mondlandung bereits geschichte waren. ein faschistoides spiegelbild europas suedlich des aequators, das in einer parallelwelt zu existieren schien, als der westen seine gespenster schon vertrieben hatte. als wir spaeter mit johannes durchs abendliche soweto fahren, ist auch dieses schon in einer neuen epoche angekommen. wir fahren an winnie mandela protzigem wohnbunker vorbei, auch sie ist schon eine figur der geschichte. nur die 20 meter hohen flutlichtmasten, die ueberall in soweto die nacht zum tag machen, erinnern daran, dass diese stadt als straflager gedacht war. im "the rock", der "yuppiekneipe" von soweto, wie johannes sagt, trinken wir ein bier. als wir uns eine zigarette anzuenden, werden wir hoeflich gebeten, doch bitte draussen oder im raucherzimmer zu schmoeken. ein paar mittelklasseautos fahren vor. das also ist soweto, einst fanal im kampf gegen die apartheid, symbol fuer kriminelle unregierbarkeit? soweto 2005 ist eine stadt, in der die menschen anfangen, die vergangenheit hinter sich zu lassen und etwas aus ihrem leben zu machen. wenn es fuer diesen traurigen kontinent hoffnung gibt, dann sind jo'burg und soweto fuer mich ihr symbol. hier wird das neue afrika seinen anfang nehmen. -nbo

 

wieder in der ersten welt
johannesburg, 28.2.2005

nach zwei wochen mosambik sind wir vorhin in jo'burg, dem moloch von suedafrika, angekommen. kulturschock! ein geradezu britisch anmutendes downtown, hochhaeuser und alte fabriken, hoellischer verkehr, bankpalaeste und shopping malls, ueber denen ein dunkelgrauer gewitterhimmel hing, das wetter feucht-kuehl. gar nicht afrikanisch. passend zum namen der stadt wurden wir von nbos altem "woche"-kollegen johannes an der gigantischen park station abgeholt. nach einer kleinen rundfahrt durchs toughe zentrum und einem echten deutschen abendbrot mit wurst, kaese und guerkchen (phantastisch) bei johannes und merle zuhause werden wir nun erst mal im stadtteil melville einen trinken gehen. mosambik war sehr zwiespaeltig: wir haben den tollsten strand unserer tour dort entdeckt, in maputo, der hauptstadt, aber auch den bisherigen tiefpunkt aller afrikanischen trostlosigkeit gefunden. mehr dazu morgen, wenn wir wieder einmal eine unserer internetsessions einlegen (mosambik ist nicht gerade connected).

 

ein paar tips zu mosambik
28.2.2005

ALLGEMEIN visa gibt es an den grenzuebergaengen fuer 25 dollar, plus 30.000 meticais (ca. 1,25 euro) gebuehr fuer den obligatorischen einreisestempel. das geld ist ziemlich abgegrabbelt, 1 euro sind rund 25.000 meticais, es ist eine nervige umrechnerei. TRANSPORT in der suedhaelfte mosambiks zwischen malawi und suedafrika/swasiland ist es kein problem vorwaerts zu kommen. man muss leider nur frueh aufstehen, die busse fahren zwischen 4 und 5 h frueh ab. preise: tete - chimoio 150.000 mt (5 h), chimoio - vilanculo 250.000 mt (6 1/2 h, im kleinbus, etwas groesser und komfortabler als ein minibus), vilanculo - maxixe/inhambane 100.000 mt (4 h), inhambane - maputo 180.000 (8 h im schrottreifen bus von oliveiras). UEBERNACHTEN tete: hotel sambeze, billigstes DZ mit bad fuer 350.000 mt, schmuddelig, gibt nicht allzu viele moeglichkeiten, weil hier wenig touristen durchkommen. - chimoio: residencial flor de vouga, schoene zimmer, direkt auf der hauptstrasse (avenida 25 setembro), DZ ohne bad mit balkon 400.000 mt. etwas ausserhalb gibt es einen backpacker namens pink papaya. - vilanculo: eine huette ohne bad gibt es im baobab fuer 400.000 mt oder nebenan im neuen julian's place fuer 200.000 mt, ohne dass sich die huetten in ihrer qualitaet unterscheiden. zombie cucumber bietet gar huetten ohne bad fuer 500.000 mt (ca. 20 euro) an und liegt nicht am strand. keine ahnung, warum man da absteigen soll. der bazaruto-archipel ist richtig teuer, billigste unterkunft ist 15 dollar pro nase. nur fuer tauchfreaks lohnend. tofo: keine frage, bamboozi ist der beste backpacker in ganz mosambik. der hammer. tolles essen an den meisten tagen, bar mit sensationellem ausblick, sehr freundliche leute, die den laden schmeissen. huetten ohne bad kosten 300.000 mt, chalets mit bad und kueche und wirklich schoener einrichtung 900.000 mt, bett im dormitory 180.000 mt. - maputo: wer nach salz und sand am strand genug von backpackern hat, sollte es mal im hotel ibis maputo probieren. jawohl, diese internationale hotelkette. die bieten DZ mit bad und klimaanlage fuer 49 dollar an. das ist umgerechnet genauso teuer, wie in den beiden backpackern fatima und base ein doppelzimmer ohne bad (dafuer mit kakerlaken, hoerten wir). ausserdem hat man im ibis aus dem 10., 11. oder 12. stock einen tollen ausblick ueber maputo. STRAND fuer uns war tofo bay der schoenste strand unserer ostafrika-route ueberhaupt. brandung und hohe duenen, dahinter palmen, und vor allem ganz leer! klassen besser als vilanculo. SCHNORCHELN/TAUCHEN tofo hat jede menge tauchreviere und vor allem: walhaie vor dem strand von tofinho. wahrscheinlichkeit, sie auf einer vormittagstour zu sichten, ist 95 prozent. und diese groessten fische der welt sind unglaublich. die ocean safari kostet 230 rand pro person (ca. 30 euro), kann beim bamboozi gebucht werden und ist das geld wert (mal abgesehen davon, dass sie billiger ist als whale-watching-touren in anderen laendern).

 

Highway to Hell
Maputo, 27.2.2005

Zwanzig Minuten warten wir auf ein Taxi. Was dann aber kommt, ist eher ein Krankentransport, der Fahrer der Patient mit riesiger Kopfwunde. Gleich einem Irokesenschnitt hat er ein maechtiges gepolstertes Pflaster auf seinem Schaedel und kommt auf uns zugeschwankt, als waere er total betrunken. Wir haben keine andere Wahl und steigen in sein Taxi, denn durch diese Gegend Maputos rund um unser Hotel geht man nachts um halb zwoelf besser nicht zu Fuss, ausser man ist lebensmuede. Bereits auf den ersten zehn Metern uebersieht der narkotisierte Fahrer beim Abbiegen einen heranrasenden Mercedes, der es gerade noch schafft, mit quitschenden Reifen kurz vor uns zum Stehen zu kommen. Glueck gehabt. Doch Fahrer und Wagen haben einen gehoerigen Linksdrall, so dass wir immer um Haaresbreite an parkenden Autos vorbeischrammen. Vom Ruecksitz bruellen wir auf den Untoten ein. ûDonâÄ™t worry" lallt es von vorne. An der Kreuzung vor der Africa Bar rammt er noch beinahe einen fahrenden Polizeiwagen. Mit schlotternden Knien wie nach einer Achterbahnfahrt steigen wir aus. Diese kurze Strecke, wie von uns bis zur Reeperbahn hat uns bis jetzt die meisten Nerven gekostet. Sieben Minuten blanke Angst! nach Diktat verreist -dwo

 

24 stunden mit einer diva
maputo, 27.2.2005

maputo ist eine alternde diva, die nie ein star war. die das zeug zu etwas grossem hatte, sich aber auf schlechte gesellschaft einliess. heute sind die breiten alleen mit ihrem mediterranen flair heruntergekommen, kolonialgebaeude und vom bauhaus inspierierte wohnbloecke vom monsun angefressen. senhora maputo sieht am abend im funzligen, gelben schein sozialistischer laternen verlassen und traurig aus. obwohl wochenende ist, laufen nur wenige menschen durch die strassen. ueberall tuermt sich muell auf, und auch die paar neuen bankentuerme mit ihren neonschriftzuegen koennen nicht ueber die melancholie hinwegtaeuschen. dabei hat die diva durchaus noch charme. aber er entpuppt sich spaetestens dann als schal, als roger und ich - roger und sabrina sind zwei schweizer, die wir in tofo getroffen haben - noch auf ein bier in eine laute bar stolpern, sozusagen hinter den maputo landungsbruecken. wir sitzen noch keine zehn minuten am tresen, als ploetzlich ein geschminktes gesicht rechts neben mir auftaucht und eine hand meinen ruecken krault. "do you like me?" fragt die frau, die hoechstens 20 sein kann und zwei freundinnen im schlepptau hat. die sind ganz offensichtlich auf fischzug, hier unten am hafen in der rua de bagamoyo. da trinken wir unser bier auf und fluechten. die brut von jungspunden, mit der sich die diva maputo dieser tage umgibt, lernen wir am naechsten morgen kennen. genau genommen sabrina und roger. hautnah. als woldo und ich vom fruehstueck aus dem cafe continental zurueck kommen, tritt ein nicht gerade heiterer roger aus dem hotelfahrstuhl. "wir sind gerade ueberfallen worden", sagt er. gleich um die ecke. wie? an einem samstag morgen in der belebten innenstadt? eine gruppe von fuenf, sechs jungen typen nahm roger und sabrina von hinten blitzartig in den wuergegriff. roger verlor das bewusstsein, waehrend sabrina noch versuchte "ajudo" (hilfe) zu rufen und dafuer einen fausthieb ins gesicht bekam. dann filzten die raeuber den rucksack der beiden und nahmen das bargeld aus dem portemonnaie, das sie gnaedigerweise auf den buergersteig warfen. und waehrend roger wieder zu sich kam und sabrinas nase wie der teufel blutete, bildete sich ein auflauf von passanten um die beiden. sie alle hatten die szene verfolgt, ohne einzugreifen. einige strassenverkaeufer boten der blutueberstroemten sabrina sonnenbrillen und anderes unnuetze zeug an, andere riefen haemisch "welcome to mozambique". die beiden maenner an der hotelrezeption zeigten nicht den hauch von mitgefuehl, als die beiden geschockt ins hotel wankten. was sagen sie dazu, senhora maputo? sind ihre genossen allesamt auf den hund gekommen? am abend gehen woldo und ich in die africa bar, waehrend sabrina und roger ihren schock wegschlafen. aber auch die band dort entpuppt sich als farce, als erinnerung an eine grosse vergangenheit, die es nie gegeben hat. garrido jr., der saenger, ist eine mischung aus barry white und mediterranem intellektuellen. ganz in schwarz gekleidet, mit grossen gesten. die musik ist ein kraftloses gemisch aus soulcoverversionen und brasilianischem pop, zu schmalzig, zu wenig jazz im blut. nach dem ersten set verlassen wir die seltsame szene. regen hat senhora maputo derweil durchnaesst, aber sauberer ist sie dadurch nicht geworden. dieser schmuddeligen moechtegern-diva ist nicht zu helfen. welch trauriger endpunkt unseres ostafrika-pfades. -nbo

 

Das grosse Grinsen
Tofo, 24.2.2005

Ich lasse mich rueckwaerts vom Schlauchboot ins Wasser fallen und schaue in das breiteste Grinsen der Welt, anderthalb Meter von einem Knopfauge zum anderen. Ich traue meinen Augen nicht, auf Armlaenge vor mir schiebt sich ein Walhai, der groesste Fisch des Planeten majestetisch durch das Wasser. Zahnlos wie ein alter Opi macht mir dieses sieben Meter lange Exemplar nicht die geringste Angst. Im Gegenteil, seine Ruhe und Friedfertigkeit springt auf mich ueber und wir grinsen um die Wette. Dieses tonnenschwere Supermodell meint es heute besonders gut mit uns, er wirft sich in Pose und zeigt sich von seinen besten Seiten. Richtig eitel, dieses Kerlchen. Und er macht sich einen Spass daraus, eine halbe Stunde lang mit uns Schnorchlern zu spielen. Fuer einen Fisch doch eher ungewoehnlich. Mein weisses T-Shirt gefaellt ihm offensichtlich besonders gut, denn als ich etwas von der Schorchlermeute zurueckbleibe, um ihn mir in voller Laenge anzusehen, macht er eine behaebige Wende und kommt direkt auf mich zu. ûBloss nicht anfassen!" hat man uns vorher noch gesagt, aber wie soll ich das denn machen, dieser Koloss schwimmt ja geradezu auf mich drauf, ausweichen zwecklos. Ich schwmme ein Stueckchen auf Augenhoehe neben ihm her, fast kommt es mir vor, als wuerden wir uns angucken und uns was erzaehlen. Dann habe ich genug, schoener kanns nicht mehr werden und klettere wieder ins Boot zurueck, die anderen turnen weiter im Wasser herum. Und dann kommt dieser Riesenfisch doch tatsaechlich hinter mir her und hebt seinen Kopf aus dem Wasser, als wolle er mir sagen, dass ich doch wieder reinkommen soll um weiterzuspielen, Wahnsinn. Nach einer Weile sind dann auch die Unermuedlichen, darunter ein Apnoetaucher aus Suedafrika, der 4 Meter unter Wasser tollkuehne Kunststueckchen vor dem Hai vollbracht hat, gluecklich und erschoepft wieder an Bord. Und wieder kommt der kolossale Kopf aus dem Wasser, genau neben mir. Er will uns tschuess sagen, der Fisch. Ich winke ihm mit meinem gruenen Kopftuechlein zu, bin sprachlos und habe eine Gaensehaut. Was fuer ein Erlebnis! nach Diktat verreist -dwo

 


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